Stadt Harburg (Schwaben) - Vortrag: Reformation 1517 - Wo steht die Ökumene 500 Jahre danach?
Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Stadt Harburg (Schwaben)  |  E-Mail: poststelle@stadt-harburg-schwaben.de  |  Online: http://www.stadt-harburg-schwaben.de

Vortrag: Reformation 1517 - Wo steht die Ökumene 500 Jahre danach?

Die Oekumene ist derzeit ein Hochdruckgebiet

 

Am Ende des Lutherjahres: der katholische Blick auf das JubiläumGrossansicht in neuem Fenster: Prälat Dr. Bertram Meier

 

Der Wetterfrosch klettert täglich mehrmals auf und ab, reagiert auf kleine Änderungen. Der Klimaforscher betrachtet die langfristige Entwicklung der Wetterphänomene. So stellte sich Prälat Dr. Bertram Meier, Domdekan und Bischofsvikar in Augsburg, vor dem Harburger Bildungswerk auf das Podest des Klimaforschers. Ergebnis: die Oekumene ist derzeit ein Hochdruckgebiet.

 

Prälat Dr. Meier wusste höchst sachkundig und mit Einfühlungsvermögen vor evangelischen und katholischen Christen im Harburger evangelischen Gemeindehaus den Stand der Oekumene zu erläutern. Selten wird einem interessierten Publikum eine so klare und einleuchtende Übersicht über die vielen kleinen Schritte zu mehr Gemeinsamkeit geboten. Das Jahr 2017 sei eine Premiere, so des Prälaten erste Bilanz – denn erstmals sei die Reformation Luthers nicht wie früher eine Trennungsgeschichte gewesen, sondern ein gemeinsames Besinnen und Feiern der Christen. Meier erinnerte an die zentrale Begegnung von Lutheranern und Papst Franziskus in Lund und an mehrere gemeinsame Erklärungen der Kirchen, angefangen mit der gemeinsamen Deutung der Rechtfertigungslehre 1999 in Augsburg. Der Blick auf den Horizont der Trennung greife zu kurz – die Oekumene sei die Geschichte einer Annäherung.

 

Meier erinnerte an das frühere Verhältnis evangelischer und katholischer Christen unter dem Motto: „Wie Du mir, so ich Dir!“ So war das Verhältnis selten eine Liebesromanze, oft auch eher ein Kriminalroman. Ältere Harburger können sich noch gut an Distanz, Konkurrenz, ja Gegnerschaft der Konfessionen erinnern. Eine Heiratspaar aus verschiedener Konfession – da wurde laut gelästert.

 

Und wie soll Einheit aussehen? Es gehe nicht um Rückkehr, sondern um gegenseitige Anerkennung und so viel sichtbare Gemeinsamkeit wie möglich, als Rückkehr zum Auftrag Jesu. Nachdrücklich forderte Meier zum nachhaltigen Lesen der Bibel auf – der Appetit auf das Wort Gottes sei ausbaufähig. Man habe die Weite und Tiefe dieses Wortes noch lange nicht ausgeschöpft.

 

Meier betonte auch die Wichtigkeit der Frage Luthers: wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Die Antwort sei nicht nur das sündenfreie Leben des Christen, sondern ein neues und gelassenes Vertrauen zu Gott. Vor allem plädierte der Referent dafür, den Blick des oekumenischen Dialoges auch auf andere Kirchen wie die Orthodoxe Kirche zu richten, aber auch auf die orientalischen Christen, die mit der Syrienkrise verstärkt zu uns kämen und eine andere Blickweise auf das Gemeinsame eröffnen.

 

Besonders sorgsam ging Meier mit der Frage nach der gemeinsamen Eucharistie um. Einerseits schilderte er die besondere und eigenständige Bedeutung des Abendmahls in der katholischen Kirche und warb dafür, jedem sein eigenes Verständnis zu belassen. Andererseits hob er die Bemühungen, eine Lösung zu finden, die dem Grundsatz der Einheit von Sakrament und Kirche Rechnung trage, aber dem Charakter der Einladung und des Angebotes einen Weg bahne.

 

Meier bat darum, den Unterschied zu achten und trotzdem das gemeinsame Zeugnis zu sehen. Dieses gemeinsame Zeugnis der Christen mahnte Prälat Dr. Meier vor allem auch für die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Fragen der Zeit in Politik und Öffentlichkeit an. Hier könne und müsse mehr von Christen aus ihrem Verständnis heraus gesagt werden und damit Zeugnis für die Gemeinsamkeit im der Nachfolge Jesu abgelegt werden.

 

Eine lebhafte Diskussion vor allem zu praktischen Fragen der Oekumene beendete den Abend, den die Leiterin des Harburger Bildungswerkes, Doris Thürheimer, mit einem Gesamtblick auf die Veranstaltungen zum Lutherjahr eröffnet hatte. Die Begegnung katholischer und evangelischer Christen lohnt immer, vor allem lohnt es sich, weniger darauf zu sehen, was noch trennt, als auf das, was schon erreicht ist. (kmg)

 

drucken nach oben