Stadt Harburg (Schwaben) - Historischer Vortrag
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Historischer Vortrag

500 Jahre Reformation – nicht ohne Frauen

An Luthers Seite: Katharina von Bora als Luthers Partnerin

 

Die RedneGrossansicht in neuem Fenster: Vortrag Katharina von Borarin begann zu sprechen – und schnell war Katharina von Bora mitten im Saal. Derart anschaulich, aber auch lebendig erzählt wurde in Harburg von Luthers Ehefrau Käthe, ohne die der Reformator nicht zu denken ist. Auf Einladung des Harburger Bildungswerkes und des Evangelischen Bildungswerkes Donau-Ries sprach Dr. Andrea König von der Fachstelle Frauenarbeit in Stein über die ehemalige Nonne, die zwanzig Jahre Ehefrau des Wittenberger Reformators war.

 

Katharina von Bora hat wenige eigene Zeugnisse von sich selbst hinterlassen – acht Briefe. Aber viel zeitgenössisches Material erlaubt es – mit der gebotenen wissenschaftlichen Sorgfalt – ein genaues und vertieftes Bild von ihrem Leben zu zeichnen. Andrea König gab gleich ihre Methode vor: sie würde von Katharina berichten, was zu erfassen war, wollte aber zugleich in einem fiktiven, erzählerischen Bericht in Form einer eigenen Darstellung Katharinas die Lebensgeschichte dieser tatkräftigen Frau vorstellen.

 

Ihre Heirat mit Luther machte sie zum Ziel vieler bösartiger, gehässiger und drohender Angriffe, die nur aus dem religiösen Weltbild dieser spätmittelalterlichen Zeit zu erklären sind. Zusammen mit elf Mitschwestern verließ sie mit 24 Jahren das Kloster Mariakron bei Grimma heimlich in einer kalten Frühjahrsnacht vor Ostern 1523. Die Berichte von den Wittenberger Gelehrten, die ewige Gelübde als Abkehr von der von Christus mit der Taufe verliehenen Freiheit sahen, waren durch die Klostermauern gedrungen. Mit Hilfe eines Torgauer Großkaufmanns und Ratsherren tauschte Katharina das gesicherte und abgeschlossene Leben im Kloster mit vielen Ungewissheiten.

 

In Wittenberg wurde Luther mit dem Schicksal der entkommenen Nonnen konfrontiert; Katharina wurde Haushaltshilfe einer Wittenberger vornehmen Familie und half auch in der Apotheke mit, die der berühmte Maler Lukas Cranach in seinem Hause eingerichtet hatte. Ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus der vielfältigen Garten- und Landwirtschaft des Klosters wie in dessen kräuterkundiger Krankenpflege waren ihr eine große Hilfe.

 

Luther meinte, diese Nonnen müssten zur Sicherung ihres künftigen Lebens Ehefrauen werden und betätigte sich als Heiratsvermittler. Eine erste, sich anbahnende Liebe mit einem Nürnberger Patriziersohn zerbrach, einen ihr von Luther zugedachter Heiratskandidaten aus den Doktoren wies sie ab – schnell galt sie als schwierig und hochmütig. Als Luthers Kolleg Amsfort ihr dies vorhielt, sagte sie ehrlich und stolz, dann würde sie lieber ihn oder Luther heiraten. So kam es zum Schluss – am 13. Juni 1525 heiratete Luther Katharina.

 

Es zeigte sich, dass Katharina nicht nur die mitdenkende Partnerin war. Sie baute Luthers Wohnhaus im Schwarzen Kloster zu Wittenberg aus und um, betrieb unermüdlich Gartenbau, Obstbau und Landwirtschaft, wobei sie durchaus aus Verkäufen Erträge zu erwirtschaften wusste. Mit der Zeit wurde daraus ein gut geführtes kleines Wirtschaftsunternehmen – ein Teil Ihrer Buchhaltung hat sich erhalten. Der oft hartnäckige und von Krankheiten geplagte Luther fügte sich, nicht immer geduldig, ihren Anweisungen. Sie versorgte neben den Kindern, von denen vier überlebten, die Studenten im Hause und die vielen Gäste, nahm wohl auch oft an den Tischgesprächen Luthers teil.

 

Mit dem Bericht über Luthers Sterben 1546 und die letzten Lebensjahre Katharinas unter großen Nöten und Bedrängnissen bis 1552 inmitten von Kriegswirren und Pest und oft verlassen von Luthers Freunden klang der Vortrag aus. Das hochaufmerksame, gefesselte Publikum im voll besetzten Gemeindesaal bedankte sich mit großem Beifall. Doris Thürheimer vom Harburger Bildungswerk dankte Andrea König, zugleich im Namen von Frau Dettweiler vom Evangelischen Bildungswerk Donau-Ries. (Die vom Harburger Bildungswerk aus Anlass des Lutherjahres gestaltete Reihe mit Vorträgen zu Luther und der Reformation endet am 9. November mit einem Vortrag von Domdekan Dr. Maier aus Augsburg über Luther aus oekumenischer Sicht.) (kmg)

 

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