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Stadt Harburg (Schwaben)  |  E-Mail: poststelle@stadt-harburg-schwaben.de  |  Online: http://www.stadt-harburg-schwaben.de

Dreißigjähriger Krieg bringt Mord, Raub und Verwüstung

Gemälde an der Hauswand des Hauses Umkehr Nr. 2 in Donauwörth

Bericht von Klaus Lembeck über einen Vortrag von Fritz Leimer (in voller Länge in Harburger Heft 9)

 

Ursache für den 30-Jährigen Krieg war die Gegenreformation der katholischen Kirche, die im Laufe des 16. Jahrhunderts weite Gebiete verloren hatte. Besonders in Deutschland hatte der Protestantismus die Oberhand gewonnen. Als Anführer dieser langen blutigen Auseinandersetzung standen sich auf katholischer Seite Kaiser Ferdinand II. (1619 -1648) und Kurfürst Maximilian von Bayern und auf protestantischer Seite König Gustav Adolf von Schweden (1611 -1632) gegenüber.

Die Entwicklung in Donauwörth führte Leimer als beispielhaft für die Entwicklung der Gegenreformation auch in anderen Gebieten an. Donauwörth war überwiegend protestantisch; katholisch waren die wenigen Angehörigen des Klosters Heilig Kreuz und die Angehörigen des Fuggerhauses. Als die Donauwörther Katholiken ab 1598 wieder Bittgänge und Prozessionen unter Hinweis auf den Augsburger Religionsfrieden (1555) in der Öffentlichkeit durchführten und die Lutheraner sich unter Berufung auf das „Herkommen" dagegen wehrten, kam es zu erheblichen Zwistigkeiten. Dies führte soweit, dass es am Markustag 1606 anlässlich einer Prozession zu Handgreiflichkeiten zwischen Katholiken und Protestanten kam, wobei die Fahnen von Heilig Kreuz und vom Deutschordenshaus zerfetzt wurden. Heute erinnern Steintafeln am Haus Umkehr Nr. 2 und Nr. 4 an das denkwürdige Kreuz- und Fahnengefecht. Der Kaiser verhängte daraufhin die Reichsacht über die Stadt, sie verlor ihre reichsstädtischen Freiheiten und wurde von „Schwäbischwerd" in „Donauwörth" umbenannt. Die Reichsacht führte zu den konfessionellen Militärbündnissen der evangelischen Fürsten (Union, 1608) und der katholischen (Liga).

 

Angst vor den Schweden

Ab 1618 tobte der Krieg in Deutschland und kam mit der Besetzung des Schellenbergs durch die Schweden 1632 mit seinem ganzen Schrecken ins Ries und die Grafschaft Oettingen. Und für Harburg und seine Umgebung begann das schrecklichste Kapitel seiner Geschichte. Vom Schellenberg aus zogen die Schweden in meist kleinen Gruppen auf der Suche nach Nahrung und Beute plündernd und brennend durch die Umgebung. Amtmann auf der Harburg war Andreas Häberlein, der seinem in Oettingen residierenden Herrn, Graf Ludwig Eberhard und dann dessen Sohn Graf Joachim Ernst regelmäßig berichtete. Aus Angst vor den Schweden hatten viele Bewohner der umliegenden Dörfer das Notwendigste zusammengerafft und waren in den Markt Harburg geflüchtet. Ihr Vieh hatten sie auf der Burg in Sicherheit gebracht oder in den Wäldern versteckt. Häberlein berichtet seinem Herrn von gewaltsamen Einquartierungen, von der Wegnahme Groß- und Kleinviehs, Plünderungen der Orte und ihrer Kirchen und Vernichtung der Feldfrüchte.

 

Die Kapelle in Ronheim geht in Flammen auf (ihre Ruine wird 1848 abgebrochen). Schlimme Schadensberichte gibt es von Großsorheim und Ebermergen, Einödhöfe und ihre Bewohner trifft es besonders und auf die ungeschützten. Dörfer haben es die umherziehenden Marodeure besonders abgesehen; dort haben sie leichtes Spiel. „Rohrbach, Schafhausen, Durneckh, Oppertshofen und Prachstatt sein alle von straiffenden Truppen betroffen und sehr verwiest worden, dass in meinem ganzen Land nit ein Bauernhof vorhanden, der were verschont geblieben", so Häberlein.

 

In Mauren wurden die Leute übel geschlagen und einem armen Mann drei Kinder aus dem Fenster geworfen. Im April 1632 waren die Schweden gekommen und nach einem Jahr war das Harburger Umland total ausgeraubt und verwüstet. Rücksicht auf die Religionszugehörigkeit war nicht genommen worden. Der Markt Harburg selbst war für Masseneinquartierungen wenig geeignet, denn es gab zu wenig Bauern und folglich auch keine Futtervorräte. Fritz Leimer bezeichnet das Jahr 1634 als das Schicksalsjahr Harburgs: Im Markt ging der Seuchentod um. Vom Spätherbst 1633 bis Dezember 1634 starben 464 Personen an der Pest, darunter viele aus den umliegenden Dörfern, über 70 allein aus Ebermergen. In der Schlussbemerkung des Sterberegisters aus dem Jahr 1634 wird die Zahl der Toten auf 800 geschätzt. Der Harburger Bürgermeister berichtet im Oktober 1634, einen Monat nach der Schlacht bei Nördlingen: „in dem markht befunden sich uf 108 Bürgershäuser, darunter in 28 Wittiben, 14 Häuser ganz ausgestorben, 1 Bürger hinweggezogen, 3 Häuser sambt Griesthorturm abgebrannt, und sterben noch täglich 6, 8, 10 Personen."

 

Die zweite Schlacht auf Rieser Boden, die Schlacht bei Alerheim am 3. August 1645, die mit der Niederlage des Bayerisch kaiserlichen Heeres endete, hatte dann schon nichts mehr mit der konfessionellen Spaltung zu tun. Ruinen erinnern heute noch an den 30 Jahre dauernden Krieg, schloss Referent Leimer seinen Vortrag. Die Burgen Niederhaus und Alerheim wurden 1634 zerstört, die Flochberg und Wallerstein 1648. Die Harburg war diesem Schicksal entgangen.

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