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Stadt Harburg (Schwaben)  |  E-Mail: poststelle@stadt-harburg-schwaben.de  |  Online: http://www.stadt-harburg-schwaben.de

Als die Bauern aufs Schlachtfeld zogen

Karte der Bauernkriege

Bericht von Klaus Lembeck über einen Vortrag von Fritz Leimer (in voller Länge in Harburger Heft 9)

 

Obwohl die Bauern im 16. Jahrhundert mit 80 % den größten Bevölkerungsanteil stellten, waren sie in wirtschaftlicher, rechtlicher und sozialer Hinsicht deutlich schlechter gestellt als die anderen. Fast alle waren sie von Grundherren abhängig und Leibeigene. Sie hatten an diese Abgaben zu entrichten, durften beispielsweise nur mit deren Erlaubnis heiraten und unterlagen in vielen Bereichen ihrer Gerichtsbarkeit. Während die Grundholden oder Hintersassen (Bauern) oft nicht wussten, woher sie die fälligen Abgaben nehmen sollten, mussten sie mit ansehen, wie sich Adel und Geistlichkeit ihrer Privilegien freuten. Um 1525 kam es dann zur ersten großen Massenerhebung in Deutschland.

 

Bereits 1520 hatte Martin Luther verkündet: “Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Ding und niemand untertan“. Wenn auch Luther damit eine christliche Freiheit gegen Papst und Kirchenrecht gemeint hatte, gebrauchten die Bauern sie als ein Argument gegen die Leibeigenschaft und vertraten die Meinung, diese verstoße gegen göttliches Recht. Sie hatten sich in verschiedene Haufen zusammengeschlossen und versuchten zunächst mit dem Schwäbischen Bund, in den sich bereits 1489 Adelige, Prälaten und Städte zusammengeschlossen hatten, zu verhandeln. Der Hinhaltetaktik müde, zogen die Bauern bald sengend und brennend durchs Land und verübten schreckliche Gewalttaten. Voller Zorn verfasste Luther die Schrift: „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern.“ Enttäuscht wandten sich darauf die Aufständischen von ihrem einstigen Helden ab, denn Luther hatte sich nach ihrer Meinung auf die Seite der Herren geschlagen. Der Schwäbische Bund hatte auf die Gewalttaten der Bauern reagiert, jagte die Bauernhaufen wo immer sie auftauchten und der Bauernaufstand wurde zum Bauernkrieg.

 

In Buchdorf rottete sich ein Haufen aus Buchdorf, Sulzdorf und Gunzenheim gegen das Kloster Kaisheim zusammen. Die Reichsstädte Nördlingen und Schwäbischwerd (Donauwörth) hatten sich gleich zu Beginn gegen den Bauernaufstand gestellt. Im stark befestigten Schwäbischwerd suchte viel geistlicher und weltlicher Adel Schutz während der unruhigen Zeiten. Die Rieser Bauern hatten sich in Deiningen zum Rieser oder Deininger Haufen zusammengeschlossen. Eine erhalten gebliebene Mitgliederliste enthält Namen aus 79 Dörfern von Dinkelsbühl bis nach Schwäbischwerd, darunter Heroldingen, Hoppingen, Alerheim, Mauren und Ebermergen, Der Rieshaufen war, ebenso wie die anderen Haufen, zunächst nicht kriegerisch gesinnt gewesen. Nach erfolglosen Verhandlungen kam es aber bald zu gewaltsamen Auseinandersetzungen im Verlauf derer das Kloster Christgarten verwüstet, das Kloster in Maihingen und die Benediktiner-Abtei Auhausen ausgeraubt wurden.

 

Fritz Leimers Recherchen in den Bauernkriegsakten brachten keine Antwort auf die Frage, weshalb sich keine Harburger dem Rieshaufen angeschlossen hatten. Viel weiß man nicht über die damaligen Lebensverhältnisse im Markt, sagte der Referent und resümierte: Große Bauern gab es nicht, die Mehrzahl der Einwohner waren Handwerker und gleichzeitig Kleinlandwirte und man hatte wohl keinen Grund, gegen seinen Grundherrn aufzubegehren. Der gemeine Mann besaß nicht viel, hatte aber sein Auskommen und war offensichtlich zufrieden. Viele Forderungen die die Bauern zu Beginn des Aufstandes erhoben hatten, betrafen den Markt Harburg von Anfang an nicht. Die Einwohner waren nicht leibeigen (das hatte ihnen Graf Wolfgang 1495 in der so genannten Harburger Ehehaft bestätigt), Angeln in der Wörnitz war jedermann erlaubt und es gab den bürgerlichen Wald „Karab“, an dem jeder Hausbesitzer einen Anteil hatte. Außerdem hatte Graf Karl Wolfgang bereits 1524 Neuerungen im Gottesdienst eingeführt und man war mit der Verkündung des „wahren Glaubens“ zufrieden. Auch das Hauptrecht als Abgabe an die Obrigkeit hatte in Harburg keine Gültigkeit.

 

Zwei Dokumente belegen allerdings, dass zumindest einzelne Personen mit den Aufständischen sympathisierten. So wurden der Harburger Bürger Hans Herbst und der Ronheimer Georg Hürrer wegen Fluchthilfe der Grafschaft für immer verwiesen.

In der Schlacht bei Ostheim am 8. Mai 1525 wurden dann die 8000 schlecht ausgerüsteten Bauern des Rieshaufens von den nur 700 Mann starken Truppen des Markgrafen Casimir von Ansbach vernichtend geschlagen. In der Grafschaft Oettingen verlief die Abrechnung mit den Aufrührern verhältnismäßig mild. Einen der Anführer, den Josef Hafner von Hausen, ließ Graf Karl Wolfgang in Harburg „vom Leben zum Tode richten“, ließ aber sonst den Schwäbischen Bund wissen, dass er nichts gegen seine Untertanen unternehmen wolle. Von den erstrebten Freiheiten hatten die Bauern nichts erreicht und der Spruch: „Der Herrgott möge die Gäule schützen, sonst reiten die reichen Herren auf den Bauern“, hatte immer noch gewisse Berechtigung; auf die Entlassung aus der Leibeigenschaft mussten sie noch 300 Jahre warten.

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